⚡ chargemyride.liveStatistik zur Ladeinfrastruktur →

📐 Modell: Was macht einen Schnelllader voll?

📖 Statistik-Lexikon: ρ, p-Wert, signifikant, ε² … einfach erklärt
Median
Der mittlere Wert: Die Hälfte liegt darunter, die Hälfte darüber. Anders als der Durchschnitt lässt er sich von wenigen Ausreißern (eine Säule für 1,20 €/kWh) nicht verziehen.
n (Fallzahl)
Wie viele Säulen, Kreise oder Rechnungen in die Zahl eingehen. Je größer n, desto verlässlicher – und desto eher wird auch ein kleiner Unterschied „signifikant“.
Korrelation ρ (Spearman)
Misst, ob zwei Größen gemeinsam steigen oder fallen, von −1 bis +1. +1: Je mehr vom einen, desto mehr vom anderen – immer. −1: genau gegenläufig. 0: kein Zusammenhang. Faustregel: unter 0,1 praktisch keiner, bis 0,3 schwach, bis 0,5 mittel, darüber stark. Spearman vergleicht Ränge statt Werte und ist deshalb robust gegen Ausreißer.
p-Wert
Wie wahrscheinlich ein mindestens so deutliches Ergebnis wäre, wenn es in Wahrheit gar keinen Zusammenhang gäbe – also durch reinen Zufall. p = 0,03 heißt: in 3 von 100 Zufallswelten. Unter 0,05 nennt man ein Ergebnis „statistisch gesichert“ oder „signifikant“. Der p-Wert sagt nicht, wie groß oder wichtig ein Effekt ist.
Signifikant ≠ wichtig
Mit 5.000 Säulen ist auch ein Unterschied von 0,1 Cent signifikant. Ob er zählt, sagt die Größe des Effekts (ρ, ε², Prozentpunkte), nicht der p-Wert.
ξ² (erklärter Anteil)
Welcher Teil der Unterschiede zwischen allen Fällen durch die Gruppen erklärt wird – 0 % gar keiner, 100 % alles. „Der Betreiber erklärt 88 % der Preisunterschiede“ heißt: Kennt man den Betreiber, weiß man fast schon den Preis. Korrigiert um die Zahl der Gruppen, damit viele kleine Gruppen nicht künstlich viel erklären.
R²
Dasselbe fßr ein Regressionsmodell: Welcher Anteil der Unterschiede das Modell als Ganzes erklärt.
Koeffizient
In einer Regression: um wie viel sich das Ergebnis ändert, wenn ein Merkmal um eine Einheit steigt und alle anderen gleich bleiben.
95-%-Intervall
Der Bereich, in dem der wahre Wert mit hoher Sicherheit liegt. Enthält er die Null, ist nicht gesichert, dass es ßberhaupt einen Effekt gibt.
Prozentpunkte (Pp.)
Die Differenz zweier Prozentwerte: von 20 % auf 25 % sind 5 Prozentpunkte – aber 25 Prozent mehr.
Tests
F-Test: Unterscheiden sich Gruppen mehr als zufällig? z-Test fßr Anteile: Ist ein Anteil vorher/nachher wirklich anders? Mann-Whitney-U: Liegen die Werte einer Gruppe systematisch hÜher als die einer anderen (ohne Annahme einer Normalverteilung)?
Zusammenhang ≠ Ursache
Zwei Dinge können gemeinsam auftreten, weil ein Drittes beide beeinflusst (Störgröße). Die Studie „Hub-Effekt“ zeigt das vor. Wir schreiben deshalb „geht einher mit“ und stellen Hypothesen auf, statt Ursachen zu behaupten.
Was ist eine multivariate Analyse – und wie lese ich sie?

Die ßbrigen Auswertungen vergleichen meist ein Merkmal mit einem Ergebnis: Osten gegen Westen, teuer gegen billig. Das Problem: Merkmale hängen zusammen. Der Osten hat niedrigere Einkommen und weniger dichte Besiedlung und mehr Schnelllader. Welches davon den Unterschied macht, sieht man im einfachen Vergleich nicht.

Eine Regression schätzt alle Merkmale gleichzeitig. Jeder Koeffizient sagt: Um wie viel ändert sich das Ergebnis, wenn sich nur dieses eine Merkmal ändert und alle anderen im Modell gleich bleiben („unter sonst gleichen Bedingungen“). Die Unsicherheit (95-%-Intervall, im Diagramm die Linie um den Punkt) zeigt, wie genau das geschätzt ist: Schneidet die Linie die Null, ist nicht gesichert, dass es überhaupt einen Effekt gibt. R² sagt, welcher Anteil der Unterschiede zwischen den Fällen das Modell insgesamt erklärt (0 = nichts, 100 % = alles). Fixeffekte vergleichen nur innerhalb einer Gruppe – etwa nur Säulen desselben Betreibers – und schalten damit alles aus, was für die Gruppe als Ganzes gilt (Marke, Preispolitik, Meldequalität).

Was eine Regression nicht kann: Ursache beweisen. Sie trennt Merkmale, die wir kennen; was wir nicht messen (etwa Dienstwagen, Wohneigentum), steckt weiter in den Koeffizienten. Die Standardfehler sind robust gegen ungleiche Streuung (White/HC1). Gerechnet mit eigenem, getestetem Code; Zahlen täglich neu.

Was macht einen Schnelllader voll? Elf Merkmale gleichzeitig – und einmal nur innerhalb jedes Betreibers

Je Schnelllader ab 150 kW mit eigener Messung (6.764 Säulen) schätzen wir die Auslastung aus Leistung, Größe, Lage, Bezahlung, Öffnungszeit, Nachbarschaft, Alter und Mobilfunk. Dreimal: über alle Säulen, nur innerhalb desselben Betreibers und nur innerhalb desselben Kreises. Was sich zwischen den Modellen ändert, ist die eigentliche Erkenntnis.

Befund: Über alle Säulen erklären die elf Merkmale nur 14 % der Unterschiede – der Betreiber allein 47 %. Kartenzahlung scheint über alle Säulen nichts zu bringen (-0,4 Pp.), beim Vergleich innerhalb desselben Betreibers aber schon: +1,9 Prozentpunkte. Der Betreiber-Mix verdeckt den Effekt. Funkloch senkt die gemessene Auslastung um 15 Prozentpunkte, auch innerhalb des Betreibers (12) – vermutlich, weil Säulen ohne Netz ihren Status nicht melden und als frei erscheinen.

Effekt auf die Auslastung in Prozentpunkten (Punkt) mit 95-%-Intervall (Linie)

-16,5-5,55,50,0ab 300 kWLadepunkte (logarithmiert)an der Autobahnan einer Rastanlagein einer GroßstadtKartenzahlungrund um die Uhrnur für Kundenschnelle Ladepunkte im Umkreis von 1 km (log.)Alter in Jahrenim Funkloch
alle Säulen (R² 14 %)innerhalb des Betreibers (R² 1 %)innerhalb des Kreises (R² 11 %)

GefĂźllter Punkt = gesichert (95-%-Intervall schneidet die Null nicht), leerer Punkt = nicht gesichert. Rechts von der Nulllinie: mehr, links: weniger.

Hypothesen – was dahinterstecken könnte

  1. Funkloch = blinde Säule: Der starke negative Effekt ist zu groß für echtes Nutzerverhalten. Eine Säule ohne Mobilfunk kann ihren Status nicht senden; die Plattform zeigt den letzten bekannten Stand oder „frei“. Für Fahrer heißt das: Bei Funkloch-Säulen ist die Live-Anzeige unzuverlässig. Prüfbar: Anteil unveränderter Statusmeldungen über Stunden bei diesen Säulen.
  2. Kartenzahlung bringt Laufkundschaft: Innerhalb desselben Betreibers sind Säulen mit Kartenleser stärker belegt. Wer keine Ladekarte des Betreibers hat, fährt sie eher an. Über alle Säulen verschwindet das, weil gerade die stark ausgelasteten Netze (mit eigener Stammkundschaft) lange ohne Kartenleser auskamen.
  3. „Alle belegt“ ist bei großen Parks seltener – das ist Mathematik, kein Desinteresse: Der starke negative Effekt der Ladepunktzahl entsteht, weil bei 12 Punkten seltener alle gleichzeitig belegt sind als bei 2. Er steht im Modell als Kontrolle, damit die anderen Effekte nicht verzerrt werden.
  4. Nachbarn kosten wenig: Mehr schnelle Ladepunkte im Umkreis senken die Auslastung nur leicht, innerhalb des Betreibers kaum noch. Kannibalisierung ist nach diesen Daten klein.
Methode, Grenzen und was daraus folgt

Methode: Lineare Regression; Zielgröße: Anteil der Messungen (120 Tage), in denen kein Ladepunkt frei war, in Prozent (Mittel 19,9 %). Fixeffekte über die Within-Transformation (jede Größe minus Mittel des Betreibers bzw. Kreises; Betreiber ab 5, Kreise ab 3 Säulen; 61 Betreiber, 332 Kreise); R² bei Fixeffekten ist das „Within-R²“ – der Anteil der Unterschiede innerhalb der Gruppen. Robuste Standardfehler (HC1). Ladepunkte und Nachbarschaft logarithmiert.

Grenzen: Gemessen wird nur, wo Betreiber Live-Daten liefern, und Betreiber melden unterschiedlich gut. Die Auslastung ist „alles belegt“, nicht die Zahl der Ladevorgänge. Säulen mit Messung sind keine Zufallsstichprobe (gemessen wird, wo Leute auf dieser Seite suchen).

Was daraus folgt: FĂźr Betreiber: Kartenleser lohnen sich auch jenseits der Pflicht; Funkloch-Standorte brauchen eine eigene Anbindung, sonst sind sie in Apps unsichtbar oder falsch. FĂźr Gutachten: Auslastungsvergleiche immer mit Betreiber-Korrektur.

📈 Wie sich die Befunde dieser Studie über die Zeit verändern

BefundzuerstheuteVeränderungVerlauf
Kartenzahlung beim selben Betreiber (Pp. Auslastung)1,86 Pp.
17.10.2026
1,90 Pp.+0,04 Pp.
Funkloch (Pp. Auslastung)-14,3 Pp.
17.10.2026
-14,6 Pp.−0,3 Pp.

Jeden Tag neu gerechnet und festgehalten (seit 17.10.2026). Mit mehr Daten werden die Zahlen genauer; ändern sie sich deutlich, hat sich etwas in der Wirklichkeit verschoben – oder die Datenlage.

Berechnet am 30.10.2026 aus dem Ladesäulenregister, den Preisen des Nationalen Zugangspunkts, der eigenen Belegungsmessung (120 Tage) und den Kreisdaten (KBA, Destatis). Eigene Studie von chargemyride.live – Hypothesen sind Vermutungen, keine Ergebnisse.

Quelle: chargemyride.live – alle Zahlen und eigene Auswertungen →
Stand 30.09.2026, täglich aktualisiert. Daten: Stammdaten: Bundesnetzagentur.de, Ladesäulenregister, Stand 2026-09-30, lizenziert unter CC BY 4.0. Die Daten wurden verändert: nach Standorten zusammengefasst, entdoppelt und um eigene Auswertungen ergänzt durch chargemyride.live. Dazu KBA (E-Auto-Bestand), BASt (Verkehrszählung), Nationaler Zugangspunkt (Preise), eigene Belegungsmessung.
Gefällt dir die Grafik? Teile sie oder binde sie selbst ein – kostenlos.